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Der Salon der Bundeskunsthalle in Bonn:

Ein Dritter Ort für Kultur und Begegnung.

Der „Salon“ in der Bundeskunsthalle ist eine moderne Wohlfühloase – ein kostenlos nutzbarer Aufenthaltsort neben dem Ausstellungsgebäude, der bewusst Nähe und Entschleunigung schafft. Besucher:innen Nachbar:innen, Vereine oder Kolleg:innen sind eingeladen, Zeitungen oder Bücher aus der Bibliothek zu lesen, zu spielen oder den Ausstellungsbesuch nachwirken zu lassen.

Gestaltet wurde der Raum vom Designstudio chmara.rosinke/OFIS. Leichte, flexible Möbel, transparente Vorhänge und eine offene Bibliothekszone schaffen eine Atmosphäre, die Bewegung und Ruhe zugleich erlaubt. Der Salon liegt direkt neben dem Ausstellungsgebäude und wird bewusst als lebendiger Zwischenraum verstanden – zwischen Kunst und Alltag, zwischen Öffentlichkeit und persönlichem Rückzug.

Darüber hinaus lädt die Bundeskunsthalle dazu ein, das Gelände neu zu entdecken. Die Dachterrasse mit ihrem Blick über Bonn ist ganzjährig kostenlos zugänglich, und das Sommerprogramm „Interactions“ bietet experimentelle Kunstformate und interaktive Installationen unter freiem Himmel.

Der „Salon“ als partizipativer Ort im kulturellen Kontext 

Das Konzept des Salons hat eine lange Geschichte. Schon im 18. Jahrhundert entstanden in europäischen Städten Räume, in denen Menschen unabhängig von gesellschaftlichen Hierarchien über Kunst, Literatur und Ideen sprachen. Im Kern ging es immer um Austausch, Offenheit und die Verbindung von Kultur und Alltag – eine Tradition, die der Bonner Salon neu interpretiert.

Im 19. Jahrhundert war der Salon de Paris eine zentrale Kunstausstellung, bei der Jury und institutionelle Selektionsmechanismen dominierend waren – im Gegensatz dazu entstanden parallel die Salon des Indépendants, die freie, nicht-jurierte Ausstellungsformate boten und wichtige Impulse für die Moderne lieferten.

Im 20. Jahrhundert lebten Salons im privaten Rahmen wieder auf – zum Beispiel Gertrude Steins legendäre Salons in Paris, wo Hemingway, Picasso & Co. sich begegneten und die künstlerische Moderne mitprägten.

Moderne Interpretation – Der Salon heute

Heute steht der Begriff für einen Ort, an dem das Publikum nicht nur konsumiert, sondern mitgestaltet. Der Salon der Bundeskunsthalle folgt genau diesem Gedanken: Er ist nicht kuratiert, sondern offen für spontane Begegnungen, Gespräche und Perspektivwechsel. Die Gestaltung selbst unterstützt diesen Ansatz – modular, beweglich, einladend.

Wie stark ein solcher Ort wirken kann, zeigte zuvor der Salon 53177 in Bad Godesberg. In einem ehemaligen Ladenlokal entstand dort für rund eineinhalb Jahre ein frei zugänglicher Treffpunkt für die Nachbarschaft. Das Designbüro please don’t touch gestaltete den Raum aus recycelten Materialien und mit flexiblen Möbeln – bewusst einfach und offen.

Rund 350 Veranstaltungen fanden dort statt: Lesungen, Konzerte, Workshops, kleine Ausstellungen. Menschen aus dem Viertel kamen zusammen, entwickelten eigene Ideen, tauschten sich aus. Das Projekt endete im Sommer 2024 mit einem großen Fest – als Zeichen dafür, wie Kultur im Alltag verankert werden kann, wenn sie Raum bekommt.

Fazit: Der „Salon“ als Dritter Ort – lokal und darüber hinaus

Der Salon der Bundeskunsthalle und sein Vorgänger in Bad Godesberg zeigen, wie Institutionen sich öffnen können, ohne ihre künstlerische Haltung aufzugeben. Beide Orte schaffen Gelegenheiten, Kultur nicht nur zu betrachten, sondern zu leben – informell, zugänglich, ohne Eintrittsschwelle.

Mit der Dachterrasse, dem interaktiven Programm „Interactions“ und der Sundowner-Bar auf dem Dach erweitert die Bundeskunsthalle dieses Konzept in den öffentlichen Raum.

Weitere Informationen:

Salon der Bundeskunsthalle

Programm „Interactions“

Text und Fotos: Simone Szymanski