Das Bild zeigt den Eingang der Raketenstation Hombroich bei Neuss. Zwei Frauen gehen durch das Eingangstor.

Unterwegs auf dem Gelände der Raketenstation Hombroich

Kunst, Natur und Architektur entdecken.

Die Raketenstation Hombroich liegt zwischen weiten Feldern am Niederrhein, südlich von Neuss. Was früher militärisches Sperrgebiet war, ist heute ein besonderer Ort  – für Kunst, Architektur, Natur und Begegnung. Zwischen klaren Betonbauten, offenen Landschaften und ungewöhnlichen Ausstellungsräumen entfaltet sich ein Gelände, das sich zu einer Entdeckungstour anbietet

Wer hier ankommt, findet keine klassische Museumsstruktur vor. Stattdessen laden Wege, Pfade und Gebäude dazu ein, sich treiben zu lassen, zu schauen und zu entdecken.

Von der Raketenbasis zum Kunstort

Bis in die 1980er-Jahre war die Anlage Teil der NATO-Infrastruktur – eine Raketenbasis mit strengem Zugang und klarer Funktion. Nach der Stilllegung erwarb der Sammler und Mäzen Karl-Heinrich Müller das Gelände und begann, es in ein Zentrum für Kunst und Architektur zu verwandeln.

„Ich will alles, was ich sammle, öffentlich machen. Ich gehe davon aus, dass Kunst niemanden gehört. Kunst ist ein selbständiges Wesen, das lebt…“

Heute ist die Raketenstation Teil der Stiftung Insel Hombroich, zu der auch das Museum Insel Hombroich gehört. Internationale Künstler:innen und Architekt:innen haben hier gebaut, darunter Raimund Abraham, Thomas Schütte, Tadao Ando und Oliver Kruse. Die Gebäude sind ebenso Teil der Kunst wie die Natur, die sie umgibt.

Kunst, Raum und Zeit

Die Raketenstation Hombroich vereint Ausstellungsräume, Ateliers und temporäre Projekte. Die Nutzung ist vielseitig: In den Hallen und Pavillons finden wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt, ergänzt durch Konzerte, Lesungen, Symposien und Performances.

Besucher:innen können sich frei über das Gelände bewegen – Wege führen zwischen Wiesen, Baumgruppen und Bunkerbauten, vorbei an Skulpturen und Architektur, die sich still in die Landschaft einfügt.

Immer wieder öffnen sich neue Perspektiven: ein Blick über die weite Ebene, eine Tür in einen stillen Raum, ein Lichtreflex auf Beton. Kunst entsteht hier nicht nur im Werk, sondern im Erleben des Ortes und des Moments selbst.

Ganzjährig geöffnet – und frei zugänglich

Das Gelände der Raketenstation ist ganzjährig und täglich geöffnet, der Zutritt ist kostenlos. Nur in einzelnen Ausstellungsräumen oder bei bestimmten Veranstaltungen, etwa Konzerten, wird Eintritt erhoben.

Geführte Rundgänge bieten vertiefende Einblicke in Architektur und Geschichte, während das Programm regelmäßig wechselt – wer wiederkehrt, kann den Ort jedes Mal neu erleben.

Kultur und Natur im Einklang

Zwischen Beton und Birken, Skulpturen und Wind – die Raketenstation Hombroich ist ein Ort, an dem sich Wahrnehmung schulen lässt: das Rauschen der Bäume, wandernde Schatten, verwunschene Pfade – zu entdecken gibt es viel.

Im Café Biemel können Besucher:innen eine Pause einlegen, etwas trinken oder einen kleinen Imbiss genießen. Das Café ist nach dem Philosophen Gotthard Biemel benannt, einem engen Wegbegleiter von Joseph Beuys und Lehrer von Erwin Heerich, der viele der charakteristischen Bauten auf der Insel Hombroich entwarf. Es erinnert an den Austausch zwischen Kunst und Denken, der für diesen Ort prägend ist.

Warum sich der Besuch lohnt

Die Raketenstation Hombroich ist kein Ziel für einen schnellen Ausflug, sondern ein Ort für alle, die sich auf Stille, Raum und Entdeckung einlassen wollen. Sie verbindet Kunst und Landschaft zu einer Erfahrung, die sich jeder und jedem anders zeigt – leise, konzentriert, überraschend. Zu jeder Jahreszeit gibt es Neues zu entdecken: Blüten im Frühling, Obst im Sommer, farbiges Laub im Herbst. Und manchmal beginnt eine Vernissage ganz informell auf einer Bank im Freien.

Wer mag, kann den Besuch mit der nahegelegenen Insel Hombroich und der Langen Foundation verbinden – beide liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Raketenstation und bilden zusammen ein einzigartiges Ensemble aus Kunst, Natur und Architektur.

Weitere Informationen:

Raketenstation Hombroich

Text und Fotos: Simone Szymanski

Zwei Menschen gehen über das Gelände der Raketenstation Hombroich.