Collagen zwischen Büchern.
Ein besonderer Ausstellungsort mitten in der Innenstadt, neben dem Museum Ludwig, ist die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Bis zum 19. April 2026 ist hier eine von Ulrike Jagla-Blankenburg kuratierte Ausstellung mit Collagen zu sehen. Die Exponate sind in Vitrinen zwischen Bücherschränken arrangiert. Während der Öffnungszeiten der Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) ist die Ausstellung frei zugänglich.
Über dem Eingang steht in Großbuchstaben FILMFORUM, eine Glastür öffnet sich automatisch. Von hier führt der Weg direkt ins Treppenhaus oder zum Aufzug. Die Ausstellung beginnt im ersten Obergeschoss und zieht sich über mehrere Etagen entlang der Flure und Treppen. Die Ausstellungsvitrinen stehen zwischen geschlossenen Bücherschränken. Die KMB ist eine Präsenzbibliothek und zählt mit über 600.000 Medien zu den großen öffentlichen Kunstbibliotheken mit Schwerpunkten auf moderner Kunst und Fotografie.
Die Ausstellung „Dekonstruktion und Collage“ zeigt Werke von acht Kölner Künstler:innen, die sich mit unterschiedlichen Techniken und Materialien auf Bestände und Publikationen der KMB beziehen. Boscher Theodor arbeitet mit geschnittenen Zelluloidstreifen. Die hängenden Filmfragmente erinnern an Vorlaufbänder und verweisen auf Archiv, Speicherung und ein kollektives Bildgedächtnis. Karlheinz Deutzmann sammelt und montiert Zeitungsmaterial. In gebundenen Kladden verdichtet er Nachrichten aus Politik und Gesellschaft zu fortlaufenden Bild-Text-Chroniken. Katharina Jahnke richtet den Blick auf die Bibliothek selbst. Ihre Arbeiten greifen Ordnungsprinzipien, Verschlagwortung und Archivstrukturen auf und übersetzen sie in visuelle Systeme. Nicola Schudy arbeitet mit Fundstücken, Baumaterial und Fotografie. Ihre Assemblagen nehmen Bezug auf Architektur und Stadtentwicklung in Köln. Sie wirken wie Modelle und Fragmente zugleich. Steffen Missmahl nutzt Buchseiten als Ausgangsmaterial. Er bearbeitet sie digital und manuell und entwickelt daraus neue Bildwelten, die sich auf das Buch als Objekt beziehen. Tamara Lorenz verwendet tagesaktuelles Bildmaterial aus Zeitungen. Durch Schnitte und Verschiebungen entstehen neue, oft unerwartete Zusammenhänge. Tilman Peschel arbeitet prozesshaft mit fotografischen Fragmenten. Durch wiederholtes Schneiden und Kombinieren entstehen Figuren, deren Form sich aus dem Verfahren entwickelt. Volker Saul konzentriert sich auf Zeichen und Schrift. Für die Ausstellung setzt er das Akronym KMB als lineare Form in den Raum. Die lose aufgelegten Elemente greifen Materialien und Anmutungen aus der Buchproduktion auf.
Ausgestellt wird ein Spektrum an Arbeiten, das von papierbasierten Collagen bis zu raumgreifenden Assemblagen reicht. Unterschiedliche Materialien, Verfahren und Themen stehen nebeneinander und beziehen sich zugleich auf den Ort, an dem sie gezeigt werden – in unterschiedlichen Vitrinen, zwischen und neben Büchern.
In der ersten Etage befinden sich zudem der Lesesaal und das Kino des Museum Ludwigs mit einem vielfältigen Programm.
Kunst- und Museumsbibliothek (KMB), Heinrich-Böll-Platz / Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln
Text und Fotos: Simone Szymanski
